Hormone

Hormone sind Botenstoffe, die von einer endokrinen Drüse produziert werden. Auf dem Blutweg erreichen sie den Rezeptor ihrer Zielzelle, wo sie dann einen ganz bestimmten Effekt hervorrufen.

In der nachfolgenden (unvollständigen) Liste sind einige der wichtigsten Hormone aufgeführt.

Cortisol

Das Cortisol ist unser Aktivitäts- bzw. Stresshormon. Seine Wirkungen betreffen den Stoffwechsel sowie unser psychisches Befinden. Es greift in unser Immunsystem ein und hilft bei der Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes in den Nieren.   Unsere Nebennierenrinden produzieren dieses Hormon in der zweiten Nachthälfte, so daß es für die Tagesaktivität verfügbar ist. Zum Abend hin fällt der Cortisolspiegel wieder ab. So kommt es, daß wir uns morgens wach und abends müde fühlen. Es ist somit unser wichtigstes Streßhormon, welches sowohl bei körperlichem als auch bei psychischem Streß ausgeschüttet wird.

Bei Dauerstreß ist unser Cortisolspiegel ständig erhöht. Bei sehr langen Streßphasen kann es passieren, daß unser Hormonsystem es nicht mehr schafft, diese hohen Hormonspiegel aufrecht zu erhalten.

Adrenalin

ist wie das ähnlich wirkende Noradrenalin ein Stresshormon, welches unseren Körper in Alarmzustand versetzt. Es wird im Nebennierenrindenmark produziert und setzt Energiereserven frei, was besonders früher wichtig war um gegen den Säbelzahntiger kämpfen oder vor ihm fliehen zu können. So wird der Blutdruck und die Herzfrequenz erhöht, die Bronchien werden geweitet. Der Blutzuckerspiegel steigt und Fettreserven werden abgebaut, so daß mehr Energie bereitgestellt werden kann. Normalerweise werden Adrenalin und Noradrenalin schnell wieder abgebaut und alles normalisiert sich wieder. Bei andauerndem Streß kann es durch das dauerhaft erhöhte Adrenalin und Noradrenalin zu einer Erhöhung des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels kommen.

Noradrenalin

wird ebenso wie Adrenalin im Nebennierenmark produziert und bei Streß ausgeschüttet. Es bewirkt eine Engstellung der Gefäße und somit eine Erhöhung des Blutdrucks.

Estrogene (früher Östrogene)

Sind die wichtigsten weiblichen Sexualhormone. Sie werden im Eierstock in den Follikeln und im Gelbkörper gebildet, während der Schwangerschaft auch in der Plazenta. Die Nebennierenrinden produzieren Estrogene sowie in geringem Umfang die Hoden des Mannes.

Estrogene sind wichtig für das Wachstum und die Ausreifung der inneren Geschlechtsorgane sowie für das Brustwachstum. Sie erhöhen die Knochendichte, wirken LDL-senkend und HDL-erhöhend und haben eine gefäßschützende Wirkung.

Es gibt verschiedene Estrogentypen. Der Hauptvertreter ist das Estradiol, des weiteren gibt es noch Estriol und Estron. Estradiol ist in der fruchtbaren Phase der Frau das vorherrschende Östrogen, in den Wechseljahren wird es dann vom Estron abgelöst. Estriol ist für die Feuchtigkeit und Gesundheit aller Schleimhäute unseres Körpers verantwortlich.

Xenoestrogene:

synthetisch hergestellte chemischen Verbindungen mit möglicher estrogenartiger Wirkung aufgrund struktureller Ähnlichkeit mit Estrogen.

Phytoestrogene:

sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, die ähnlich der Xenoestrogene vom chemischen Aufbau her dem Estrogen ähneln und somit eine Wirkung auf das Hormonsystem haben können.

Vorkommen z.B. in Soja, Rotklee, Leinsamen, Hopfen, Granatapfel, Traubensilberkerze (Cimicifuga), Salbei…

Gestagene

werden auch als Gelbkörper- oder Schwangerschaftshormone bezeichnet. Der wichtigste Vertreter dieser Gruppe ist das Progesteron. Es wird in der zweiten Zyklushälfte im Gelbkörper gebildet und bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor. Allerdings hat es noch zahlreiche andere Funktionen im Körper: es ist Vorläufer von Cortisol, Estrogen und Testosteron, d.h. chemisch gesehen dient es als „Baustoff“ für die Herstellung der oben genannten Hormone. Es ist Gegenspieler der Estrogene und des Testosterons. Progesteron ist für unser emotionales Gleichgewicht, die Gedächtnisleistung und unseren Schlaf wichtig (ein Fünftel aller Progesteron-Rezeptoren befinden sich im Gehirn). Bei Männern ist es als Testosteron-Gegenspieler wichtig für die Gesundheit der Prostata.

Oxytocin

wird im Hypothalamus gebildet und im Hypophysenhinterlappen gespeichert, von wo es frei gesetzt wird. Es ist wichtig für den Geburtsvorgang und den Milcheinschuß. Gleichzeitig ist es aber auch unser „Kuschelhormon“, da es durch jede Art von angenehmen Hautkontakt ausgeschüttet wird. Es verringert den Blutdruck und beruhigt. Neuere Studien deuten darauf hin, daß es die Auswirkung von Streß verringern kann.

Prolaktin

ist zuständig für die Milchproduktion in der Stillzeit. Es löst bei allen Säugetieren, also auch beim Menschen Brutpflegeverhalten aus. Auch Männer, deren Partnerin schwanger ist, weisen kurz vor der Geburt höhere Prolaktinspiegel auf.

AMH = Anti-Müller-Hormon

unterstützt die Entwicklung der Geschlechtlichkeit im embryonalen Stadium. Beim männlichen Feten ist es verstärkt vorhanden und beim weiblichen fehlt es. In der Fertilitätsdiagnostik wird es als Marker verwendet weil er mit der Funktion der Eierstöcke korreliert.

Androgene

Sind die wichtigsten männlichen Sexualhormone. Sie werden im Hoden und in den Nebennierenrinden gebildet, sowie in geringen Mengen in den Eierstöcken der Frau. Der wichtigste Vertreter ist das Testosteron. Es ist verantwortlich für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane, sowie für die Ausbildung der typisch männlichen Geschlechtsmerkmale wie eine tiefe Stimme, männlicher Behaarungstyp…

DHEA – Dehydroepiandrosteron

Es gilt als Vorläuferhormon, da es sowohl in Testosteron als auch in Estrogene umgebaut werden kann. Männer produzieren DHEA in der Nebennierenrinde, Frauen zusätzlich noch in den Eierstöcken. Neueren Studien zufolge befinden sich in den Gefäßwänden Rezeptoren für DHEA, worüber die Gefäßdurchblutung gesteigert wird.

Melatonin – unser Schlafhormon

wird in der Zirbeldrüse (Epiphyse) im Gehirn gebildet und steuert den Schlaf-Wachrhytmus. Die Ausschüttung erfolgt mit Einsetzen der Dunkelheit und wird durch Licht gehemmt. Im Winter, wenn das Tageslicht weniger intensiv und kürzer ist, bleibt der Melatoninspiegel auch tagsüber erhöht. Als Folge davon können Müdigkeit, Schlafstörungen oder auch Depressionen auftreten. Dies tritt in nordischen Ländern durch die langen Winter häufiger auf. Probleme haben häufig auch Schichtarbeiter, Reisende auf Langstreckenflügen (Jet-Lag) oder Blinde. Auch die zunehmend häufigere Verwendung von Energiesparlampen und LED-Bildschirmen bei PCs und Fernsehern scheint problematisch zu sein: die Wellenlänge von blauem Licht (446-477 Nanometer) hemmt die Produktion von Melatonin am stärksten. Was bei der morgendlichen PC-Arbeit im Büro vielleicht nützlich ist, erweist sich am Abend   wenn wir Schlafen wollen als hinderlich.

Serotonin – unser Glückshormon

Genau umgekehrt wie bei Melatonin wird Serotonin bei Licht gebildet. Es wirkt antriebssteigernd und vermittelt Wohlbefinden und ist auch wichtig für unseren Schlaf-Wachrhytmus. Darüber hinaus ist Serotonin an der Regulation unterschiedlicher Prozesse im Körper beteiligt, es beeinflusst z.B. die Kontraktion der Blutgefäße, Steuerung der Darmperistaltik und des Temperaturhaushaltes. Seine wohl bekannteste Wirkung entfaltet Serotonin jedoch im Gehirn. Ein Mangel von Serotonin im Gehirn wird mit der Entstehung von Depressionen in Zusammenhang gebracht.

TRH – Thyreotropin Releasing Hormon

auch Thyreoliberin genannt, ist ein Freisetzungshormon welches im Hypothalamus gebildet wird. Es stimuliert die Freisetzung von TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) und Prolaktin im Hypophysenvorderlappen. Außerdem fungiert es als Neurotransmitter im Gehirn und ist somit z.B. an der Wärmeregulation und der Schlaf-Wach-Regulation beteiligt.

TSH – Thyreoidea stimulierendes Hormon

auch Thyreotropin, wird im Hypophysenvorderlappen gebildet und bewirkt an der Schilddrüse die Bildung von T3 und T4 sowie eine vermehrte Jodaufnahme in die Schilddrüsenzellen. In der Peripherie sorgt es für die Umwandlung von T4 in das wirksamere T3.

T3 (Trihodthyronin) und T4 (Thyroxin)

werden in der Schilddrüse gebildet und regulieren vorrangig den Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel. So sind sie u.a. an der Entwicklung des zentralen Nervensystems, der Genitalorgane und des Knochenskeletts beteiligt, fördern die Aufnahme von Glukose, steigern die Schlagkraft des Herzens und erhöhen die Pulsfrequenz.

Calcitonin und Parathormon

Calcitonin wird in den C-Zellen der Schildrüse gebildet und ist ein Gegenspieler des in den Nebenschilddrüsen gebildeten Parathormons. Beide regulieren den Calcium- und Phosphatspiegel im Körper, wobei Calcitonin den Calciumspiegel senkt und Parathormon ihn erhöht.

„Wenn etwas kleiner ist als das Größte, so ist es darum noch lange nicht unbedeutend.“ Seneca